Geschichte

Geschichte der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Suderwick

Seit der Christianisierung durch angelsächsische Mönche um 600 n. Chr. gehörte Suderwick zu Dinxperlo und damit zur Parochie Bocholt, welche dem Bischof, später Fürstbischof von Münster, sowohl kirchenrechtlich als auch politisch unterstand. Zwischen 1260 und 1281 wurde Dinxperlo als neu entstandene Parochie Dinxperlo, die den heiligen Liborius zum Patron hatte, selbständig. Dinxperlo gehörte zu diesem Zeitpunkt politisch zur Herrschaft Bredevoort. Nun gehörte Suderwick kirchenrechtlich zu Dinxperlo, aber politisch zum Fürstbischof von Münster. So blieb es mehrere Jahrhunderte bis zur Reformation.

Die Reformation fand in der hiesigen Gegend schon früh viele Anhänger. Bereits um 1570 erreichte die neue Lehre Dinxperlo, wo die dem Heiligen Liborius geweihte Dorfkirche doprskerk) in den Besitz der Protestanten überging. Seit Anfang des 17. Jahrhunderts gehörten Dinxperlo, die Bauernschaften Suderwick, Thushuisen und Spork zur reformierten Classis Zutphaniensis. Trotz des 80-jährigen Krieges (1568-1648) und der Gegenreformation (1650-1678) durch Fürstbischof Bernhard von Galen aus Münster, genannt Bomben-Bernhard, zu dessen Fürstentum wohl Suderwick, nicht aber Dinxperlo, immer noch politisch gehörte, blieb die Zugehörigkeit Suderwicks zur Classis Zutphaniensis Jahrhunderte lang unverändert. Sie dauerte sogar noch an nach der Säkularisierung und der Entstehung des Salm’schen Fürstentums (1802-1810), dessen Hauptstadt Bocholt wurde. Auch die nachfolgende Zeit der Einverleibung in das französische Kaiserreich unter Napoleon 1810-1813 änderte nichts an der kirchlichen Zugehörigkeit der Suderwicker Protestanten zur niederländischen Classis Zutphaniensis. Die Suderwicker Protestanten waren also Deutsche, gehörten politisch zum französischen Kaiserreich und kirchlich zu Holland. Das kann man wohl als internationale Verhältnisse bezeichnen!

In der ehemals katholischen, dann „Hervormden Kerk“ und heute nach der Wiedervereinigung mehrerer protestantischer Glaubensrichtungen in den Niederlanden nur noch „Dorpskerk“ genannten Kirche in Dinxperlo am Markt heißt die südliche Eingangstür noch heute „Suderwickse Poort“. Von dieser Hintertür aus betraten Jahrhunderte lang die Suderwicker Christen, die dem Gottesdienst in der Dinxperloer Kirche beiwohnen wollten, die Kirche, während die Dinxperloer meist den nördlichen Haupteingang unter dem Glockenturm benutzten. Ein Foto am seitlichen Eingang der Suderwicker Kirche zeigt die Suderwickse Poort“ an der Hervormden Kerk in Dinxperlo. Links in dem Foto sieht man das älteste Haus Dinxperlos, in dem sich heute das Grenzlandmuseum befindet. In diesem Haus zogen die Suderwicker Bauern ihren Sonntagsstaat an, wenn sie nach der Stallarbeit direkt in ihrer bäuerlichen Arbeitskleidung zum Gottesdienst eilten.

Die „Katholiken“ und die „Reformierten“ standen sich seit der Reformation dies- und jenseits der Grenze feindselig gegenüber. Während im fürstbischöflich-katholischen Suderwick kein reformierter Gottesdienst abgehalten werden durfte und die reformierten Einwohner zum Gottesdienst nach Dinxperlo ausweichen mussten, war in der niederländischen Umgebung die Ausübung des katholischen Glaubens verboten, so dass die Katholiken nach Deutschland zum Gottesdienst gingen. Eine Folge der Gegenreformation war daher die Gründung diverser katholischer Kapellen und Kirchengemeinden entlang der Grenze, darunter auch St. Michael in Suderwick um das Jahr 1676, von wo aus die niederländischen Katholiken jenseits der Grenze mitbetreut wurden.

Als Suderwick im Jahre 1815 als Folge des Wiener Kongresses preußisch wurde und die Suderwicker Reformierten damit automatisch Angehörige der preußischen Landeskirche, deren Landesbischof der König von Preußen war, gehörten die Suderwicker zu einer Kirchengemeinde (Dinxperlo), deren Leitung und Kirche im Ausland (in der batavischen Republik) lagen. Wieder einmal komplizierte internationale Verhältnisse!

So blieben die Suderwicker Protestanten rund 600 Jahre lang pfarramtlich mit Dinxperlo verbunden, bevor sie Ende 1819 in die neu errichtete evangelische Pfarrgemeinde Bocholt eingepfarrt wurden. Diese bestand aus 300 reformierten Suderwickern sowie 35 reformierten und 18 lutherischen Bocholtern. Ohne die Suderwicker, die dann später – 1864 – ihre eigene, selbstständige Gemeinde gründeten, hätten die Bocholter damals keine Gemeinde bilden können. Aufgrund ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit konnten die Suderwicker Gemeindeglieder der neuen evangelischen Bocholter Pfarre für sich das Recht erkämpfen, Gottesdienste, Taufen und Beerdigungen weiterhin von evangelischen Pfarrern aus Dinxperlo vollziehen zu lassen, allerdings nur gegen Vorlage eines vom evangelischen Pfarrer in Bocholt ausgestellten Erlaubnisscheines und gegen Zahlung der Stolgebühren.

Bis 1872 waren die Suderwicker Protestanten trotz Gründung einer eigenen Kirchengemeinde im Jahre 1864 keine praktizierenden Angehörigen der preußischen Landeskirche, da man ihnen ja das Recht zugestanden hatte, ihre Amtshandlungen wie Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen in Dinxperlo vorzunehmen. Im Grunde war die Einpfarrung in Bocholt also nur eine Schein-Einpfarrung.

Ab 5.7.1820 bis 1859 mussten die evangelischen Suderwicker die in Dinxperlo vorgenommenen Amtshandlungen in Bocholt registrieren lassen. Von 1859 bis 1864 erfolgte die Registrierung in Anholt, da die Suderwicker kurzzeitig mit der Anholter Kirchengemeinde verbunden wurden. Ab 1865 führte die Kirchengemeinde Suderwick zur Registrierung der vorgenommenen Amtshandlungen eigene Kirchenbücher.

Die Grundsätze des 19. Jahrhunderts besagten, dass es keine grenzüberschreitenden Kirchengemeinden geben dürfe. Das führte auf katholischer Seite zur Gründung der Kirchengemeinde St. Peter und Paul in Bredenbroek, von wo aus nun die niederländischen Katholiken aus Dinxperlo und Umgebung seelsorgerisch versorgt wurden.

Auf preußischer Seite hatten die Pfarrer aus Anholt seit Mitte des 19. Jahrhunderts die evangelischen Kinder in Suderwick in der deutschen Sprache unterrichtet, damit sie sich wenigstens verständigen konnten, wenn sie ihrer Wehrpflicht im preußischen Heer nachkamen, denn die deutsche Sprache war ihnen weitgehend unbekannt. Zu Hause sprachen sie den hiesigen Dialekt und sonntags in der Kirche niederländisch. 1860 wurde eine evangelische Schule für die 70 evangelischen Kinder in Suderwick gebaut. Dort hielten die Anholter Pfarrer gelegentlich auch einen deutschsprachigen Gottesdienst ab.

Am 8. Juni 1863 erteilte der König von Preußen den rund 300 Protestanten in Suderwick die Erlaubnis zur Gründung einer eigenen Kirchengemeinde, der „evangelischen Gemeinde reformierten Bekenntnisses“, die der evangelischen Kirchengemeinde in Anholt als Vikariatsgemeinde unterstehen sollte, was am 1.1.1864 von den Suderwicker Protestanten in die Tat umgesetzt wurde. Die neue Vikariatsgemeinde in Suderwick sollte von einem Pfarrverweser verwaltet werden, welcher von der Evangelischen Pastoral-Hülfsgesellschaft für das Rheinland und Westfalen entsandt werden sollte.

Insbesondere Pfarrer Reeder aus Anholt hatte sich viele Gedanken gemacht, dass es in Suderwick zu separatistischen Strömungen wie in den nahen Niederlanden kommen könnte und dass man das verhindern könne, wenn Suderwick einen eigenen Prediger bekäme. Da man auf Hilfe aus Münster nicht hoffen konnte, sprach er die reiche reformierte Kirchengemeinde Elberfeld (heute Wuppertal-Elberfeld) auf die Probleme der reformierten Protestanten an der Grenze an. Die Angesprochenen, besonders die Prediger Geyser und Krafft, riefen die Elberfelder zu Spenden auf. Schon einen Monat später besuchte Prediger Geyser Suderwick, um einen Abendsmahlskelch, einen Brotteller, eine Kanzelbibel und diverse andere Geschenke von den Elberfeldern sowie eine Einzelspende der Bankiersfamilie Carl von der Heydt in Höhe von 300 Talern zum Ankauf eines Kirchenbauplatzes zu überbringen.
Erster Pfarrverweser in Suderwick wurde Carl Heinrich Adelbert Birnbach vom 12.3.1865 bis 4.7.1869. Da die Suderwicker Protestanten viel zu arm waren, um eine Kirche bauen zu können, ging Pfarrer Birnbach in den Niederlanden auf Kollektenreise und sammelte den stattlichen Betrag von 1.300 Gulden. Leider reichte auch dieser Betrag bei weitem noch nicht aus zum Bau einer Kirche. Darum suchte die Suderwicker Kirchengemeinde erneut Hilfe bei der reichen niederländisch-reformierten Kirchengemeinde in Elberfeld. Dort sagte man der Suderwicker Gemeinde finanzielle Hilfe beim Bau einer Kirche und eines Pfarrhauses zu unter dem Vorbehalt, dass die Kirchengemeinde den Namen Evangelisch-Reformierte Kirchengemeinde Suderwick annehmen würde, dieses Bekenntnis niemals aufgeben würde und immer eine selbständige Kirchengemeinde bleiben würde. Würde die Gemeinde ihr Bekenntnis, ihren Namen oder ihre Selbstständigkeit aufgeben, würde sie ihr Grundstück mit dem Gemeindezentrum verlieren. Diese vertraglich festgelegten Vorgaben gelten heute noch. Sobald die Suderwicker dagegen verstoßen, fällt der Besitz an den Schenker zurück. Nach heutigem Wert handelt es sich dabei um einen Betrag von rund 600.000 Euro lt. Schätzung des derzeitigen Pfarrers Burkhard Lehmann.
Durch die großzügige Schenkung der Wuppertaler Gemeinde war es möglich, dass die arme Suderwicker Kirchengemeinde schon 13 Jahre nach ihrer Gründung am 31.10.1877 eine eigene Kirche einweihen konnte.

Die Suderwicker Kirche wurde gebaut als Backsteinsaal im romanisierenden Stil mit halb eingezogenem Westturm, gewölbten Polygonalchor und Holz-Kassettendecke im Kirchenschiff. Das Gotteshaus ist knapp 15 m lang und ca. 9.50 m breit. Am östlichen Giebel ist eine 3,50 m lange und 4.80 m breite Apsis in Form eines Teiles von einem Achteck angebaut. Die Kirche bietet im Kirchenschiff Platz für ca. 125 Gläubige sowie für weitere 25 Personen auf der Orgelempore. Durch den Turm, dessen Grundfläche ein Quadrat von 3,19 x 3,19 m ist, betritt man die Kirche. Die Gesamthöhe des Turmes bis zum Kreuz beträgt 26 m. Als Heizung diente ursprünglich ein gewöhnlicher Ofen, dessen Rauchrohr in einem Eckpfeiler steckte.
Um Kosten zu sparen, wurden nach der Zeichnung des Architekten Böhm aus Wesel nicht nur die Suderwicker Kirche samt Pfarrhaus sondern auch die fast identischen Bauwerke in Böninghardt (jetzt Stadtteil von Alpen/Rheinland) durch die Baufirma W. Franck aus Wesel gebaut.
Die Steine für den Kirchenbau wurden auf Bauernkarren aus Vehlingen geholt. An der Brüggenhütte mussten die Karren halb entladen werden, da der weitere Weg für vollbeladene Fuhrwerke unpassierbar war.

Die schlichte Ausstattung des Kircheninnenraumes entsprach der durch Calvin geprägten reformierten Einstellung. Nichts sollvom Zwiegespräch mit Gott ablenken, weder Bilder noch Skulpturen. Deshalb wurden die Wände bewusst weiß gelassen und auch sonst auf Funktionalität statt Dekor gesetzt.
1879 wurde eine Orgel angeschafft, deren Blasebalg Kinder während des Gottesdienstes treten mussten. Die Orgel wurde bei der Provinzial-Blindenanstalt in Soest/Westfalen gekauft und hatte elf Stimmen, zwei Manuale und ein freies Pedal. Sie kostete 300 Mark, musste aber für 1.200 Mark durch den Orgelbauer Rich. Ibach aus Barmen instandgesetzt werden. Ihr Wert wird später im Lagerbuch mit 1.421,54 Mark angegeben. Diese Orgel wurde im zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und musste im Jahre 1957 durch eine neue ersetzt werden. Angeschafft wurde eine Original Steinmann-Schleifladenorgel von der Firma Steinmann in Vlotho, welche auch heute noch die Wartung der Orgel durchführt. Diese Orgel wurde überwiegend aus Eichenholz gebaut und besitzt zwei Manuale und ein Pedalwerk, jeweils mit einem eigenen Register sowie drei Koppeln. Die Orgel hat vier Register, d.h. Stimmen im Hauptwerk. Im sogenannten Rückpositiv, welches in der Emporenbrüstung im Rücken des Orgelspielers untergebracht ist, gibt es fünf Register und im Pedalwerk, welches mit den Füßen gespielt wird, drei Register. Die 783 Pfeifen der Orgel bestehen aus einer Zinn-Blei-Legierung und sind unterschiedlich groß. Die große Basspfeife misst 2,40 m, während die kleinste Pfeife im Rückpositiv nur 1 cm hoch ist.

Ebenfalls im Jahre 1879 wurden auch zwei Gussstahlglocken im Wert von ca. 800 Mark für den Glockenturm gekauft. Auf der großen C-Glocke ist „Ehre sei Gott in der Höhe“ eingraviert und auf der kleineren Dis-Glocke steht „Friede auf Erden“. Zu Beginn des Festgottesdienstes zur Einweihung der Glocken, wurden diese von Gertrud Epping und den Kindern der evangelischen Volksschule Suderwick geläutet. Als 1945 nach Kriegsende entlang der Grenze ein kilometerbreiter Streifen Niemandsland entstand, lag auch unsere Kirche in diesem Gebiet, welches von den Bewohnern geräumt werden musste. Damals nahm man die Glocken aus dem Kirchturm und hing sie beim Bauern Vriesen-Öhmshuis in Suderwick, bei dem die Pastorenfamilie untergekommen war, an einem Holzgestell auf. Auf der Tenne dieses Bauernhofes sowie der Gehöfte Boland-Beekenbuur und Gärtner Kastein wurde fortan sonntags Gottesdienst gehalten, bis die Bewohner des Niemandslandes im Spätherbst 1945 wieder in ihre Häuser zurückkehren durften. Nun wurden auch die Glocken wieder in den Kirchturm zurückgebracht, wo sie bis heute ihren Dienst versehen.

Die volle Selbständigkeit als reformierte Kirchengemeinde im Rahmen der unierten preußischen Landeskirche erhielt Suderwick durch die Errichtung einer eigenen Pfarrstelle am 6. Januar 1882. Erster, durch das Presbyterium einstimmig gewählter Pfarrer dieser selbständigen Kirchengemeinde war Wilhelm Ewald Schniewind vom 24.Juli 1881 bis 18. August 1885, dessen Grab wir noch auf dem Suderwicker Friedhof finden.

1884 wurde die Suderwicker Kirche komplettiert durch den Kauf einer Uhr für den Glockenturm, die zu jeder halben und ganzen Stunde schlägt. Sie kostete 500 Mark.

Zweiter Pfarrer der selbständigen Kirchengemeinde Suderwick wurde 1886 Jakob Haarbeck aus Neukirchen. Er war von 1890 bis 1951 Mitherausgeber des „Neukirchener Kalenders“, eines Abreißkalenders, der für jeden Tag des Jahres ein Blatt hat, auf dessen Vorderseite ein Bibeltext steht und auf der Rückseite eine Auslegung dazu. Druckerei Neerbosch in Nijmegen bestätigt, dass 1890 von ihnen ein Abreißkalender nach Dinxperlo und Suderwick geliefert wurde. Daher vermuten wir, dass dieser Kalender von Suderwick aus nach ganz Deutschland ausgeliefert wurde.

Am Samstag, den 5. Oktober 1907 findet sich in der niederländischen Tageszeitung „Dinxperlosche Courant“ eine Notiz, dass man für den 40-köpfigen Kirchenchor der ev. Kirchengemeinde Suderwick in der dortigen Kirche eine Tribüne errichtet hat, da der Chor im Sonntagsgottesdienst ein Konzert geben wird. Unter anderem sollten Kirchenlieder vierstimmig dargeboten werden.

Bereits im Jahre 1972 vom Landeskonservator in die Liste der denkmalswerten Bauten aufgenommen, wurde die Kirche am 1. September 1983 endgültig unter Denkmalschutz gestellt.

Ab 13.9.1973 mussten die Gottesdienste ins Gemeindehaus verlegt werden, weil an der Kirche umfangreiche Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten begannen. Links vom Altar wurde ein zweiter Ausgang geschaffen, der durch einen gläsernen Verbindungsgang zu einer neugeschaffenen Sakristei führt. Die Sakristei dient seither gleichzeitig als Gemeindebüro. Außerdem wurde der Innenraum erneut weiß gestrichen und mit grün-schwarzen Farbakzenten ansprechender gestaltet. Die alten unbequemen Bänke links und rechts des Hauptganges wurden entfernt und durch moderne durchgehende Sitzreihen in hellem Holz ersetzt. Da der Mittelgang entfiel, wurde auch der historische Eingang unter dem Glockenturm geschlossen. Bei Wiederaufnahme der Gottesdienste in der Kirche betrat man diese durch den neuen Eingang und ging unter den Fenstern der Seitenwände zu seinem Sitzplatz in den Bänken. Da die kritischen Stimmen in der Gemeinde zur neuen Sitzordnung nicht verstummen wollten, hat man zwischenzeitlich diese Bänke wieder geteilt und den historischen Eingang wieder geöffnet.

Auch nach der Renovierung und der damit verbundenen leichten farblichen Anpassung an den modernen Geschmack gibt es nach wie vor in der ältesten evangelischen Kirche auf dem Gebiet der Stadt Bocholt wie in jeder reformierten Kirche nur einen schlichten Abendmahlstisch statt eines Altars. Abbildungen wie Gemälde, Wandzeichnungen oder ein Kreuz auf oder hinter dem Altar bleiben weiterhin evangelisch-lutherischen oder katholischen Kirchen vorbehalten.

Zum 125-jährigen Bestehen im Jahre 2002 schenkte der Heimatverein Suderwick der Kirchengemeinde 6 in den Boden eingelassene Strahler, die die Kirche bei Dunkelheit anstrahlen.
Heute ist die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Suderwick eine selbstbewusste, selbstständige und für alles Neue offene Kirchengemeinde mit ca. 650 Gemeindegliedern, die Traditionelles mit Modernem zu verbinden weiß. Mit Blick auf die Jahrhunderte alten Bindungen zu Dinxperlo, kann man wohl sagen, dass Suderwick zwar die kleinste eigenständige reformierte Kirchengemeinde in Nordrhein-Westfalen ist, aber auch die niederländischste unter allen deutschen Kirchengemeinden.
Nachdem sich die Katholiken und die reformierten Christen in Suderwick und Dinxperlo nach der Reformation zunächst als streitbare Gegner gegenüber standen, entwickelten sich mit der Zeit daraus sich gegenseitig tolerierende und auf vielen Gebieten ökumenisch arbeitende Kirchengemeinden.