Evangelisch-reformierte Kirche – Besonderheiten

Besonderheiten der evangelisch-reformierten Kirche im Vergleich zur evangelisch-lutherischen Kirche

Die durch Johannes Calvin (1509-1564) geprägte reformierte Einstellung besagt, dass nichts vom Zwiegespräch mit Gott ablenken soll. Daher sind die Innenräume reformierter Kirchen bewusst schlicht gehalten. Die Wände werden weiß belassen und auch sonst wird auf Funktionalität statt Dekor gesetzt im Gegensatz zu evangelisch-lutherischen Kirchen, die wie die katholischen Kirchen oft reich verziert, bemalt und mit Gemälden und Skulpturen bestückt sein können.

Statt eines Altars findet man in reformierten Kirchen lediglich einen schlichten Abendmahlstisch. Weder auf dem Tisch noch an der Wand hinter dem Tisch findet man ein Kreuz oder gar Gemälde.
Reformierte Christen beten auch nicht „Vater unser“, sondern „Unser Vater“, entsprechend dem deutschen Sprachgebrauch. Sie bekreuzigen sich nicht, kennen auch nicht das Kreuzzeichen beim Segen am Ende des Gottesdienstes.
Aus guter alter reformierter Tradition beginnt in Suderwick jeder Gottesdienst mit einem oder zweien der 150 Reimpsalmen, die dem normalen Gesangbuch vorgeschaltet sind. Im Münsterland ist Suderwick die einzige reformierte Gemeinde, in der diese Tradition noch lebendig ist. Ursprünglich war es so, dass in reformierten Gottesdiensten nichts weiter als die Psalmen gesungen wurden, und zwar häufig ohne Orgelbegleitung. Calvin war der Ansicht, bessere Lieder um Gott zu verehren als die Psalmen gäbe es nicht. Inzwischen sind viele der Psalmtexte modernisiert worden, damit sie auch für „Heutige“ noch singbar sind. Weil die Psalmen so hoch geschätzt wurden, gab es auch keine Liturgie wie bei den Lutheranern oder den Katholiken, also auch keine Wechselgesänge. Mittelpunkt des reformierten Gottesdienstes ist die Predigt. Ihre Qualität bestimmt auch die Qualtität des Gottesdienstes. Je besser die Predigt, desto besser der Gottesdienst. Zugespitzt gesagt: Reformierter Gottesdienst hat keine dialogische Struktur, sondern ist „Frontalunterricht“.
Zu diesem „Frontalunterricht“ gehört auch das Verlesen mindestens einer Frage aus dem Heidelberger Katechismus, bestehend aus 129 Fragen und Antworten, in denen versucht wird, den christlichen Glauben (kognitiv) verständlich zu machen. Aus der Tradition heraus ist der Heidelberger Katechismus das Lehrbuch im Konfirmandenunterricht, so wie bei den lutherischen Gemeinden diese Rolle der Kleine Katechismus Martin Luthers hat.
Wo die Lutheraner beim Abendmahl sagen: „Das ist mein Leib, das ist mein Blut“ würden Reformierte eher sagen: „Das bedeutet mein Leib bzw. Blut“. Brot und Wein, ausgeteilt mit den Einsetzungsworten, erinnern an den gekreuzigten Jesus von Nazareth. Sie sind Symbole (=Zeichen), die Gemeinschaft bilden. >Das Brot, das wir brechen, ist die Gemeinschaft des Leibes Jesu Christi. Der Kelch, den wir segnen, ist die Gemeinschaft des Blutes Jesu Christi<, das sind die reformierten Spendeworte beim reformierten Abendmahl. Das reformierte Abendmahl ist ein reines Gedächtnismahl.
Evangelische Christen wenden sich mit ihren Gebeten direkt an Gott, den Vater; der einzige Mittler zwischen Menschen und Gott ist Jesus Christus.