Predigt Dirk Hirsekorn

Pfr. Dirk Hirsekorn 2
(Pfarrer Dirk Hirsekorn)

Eph 5,15-21
„Irgendwie wird´s doch auch hier immer schlimmer“, sagt man so
und die Realität der Welt bestätigt das – scheinbar:
Gewalt, Betrug, oder mindestens Eigennutz, aber auch in der Schöpfung Gottes – wenig Gutes: oder liegt das doch auch wieder an den Menschen und deren Vorteilssuche? Ja, da schlägt also unser Predigttext noch in dieselbe Kerbe: Die Tage sind böse!

Lässt sich ein Christ so schnell entmutigen? – eigentlich doch nicht. Damals in Ephesus ebenso nicht, wie heute. Das ist ein eindringlicher Appell, den Kopf nicht in den Sand zu stecken, sondern weiterzumachen. Und zwar als Christin oder Christ.
Liebe Gemeinde, das alles hat schon viel mit uns heute zu tun. In der Schule berichten die Schüler davon, dass so viel von ihnen verlangt wird, dass sie eigentlich kaum noch Zeit haben für ihre Hobbys. Und welcher Vorgesetzte verlangt von seinen Mitarbeitern nicht oft unmenschliches, oder wenigstens heute mal das und am nächsten Tag unter Umständen das genaue Gegenteil. Viele Menschen haben den Eindruck, nicht mehr selbst über ihren Alltag bestimmen zu können, sondern total fremdbestimmt zu sein. Wir leben nicht, sondern wir werden gelebt. Dass das nicht gesund ist, weiß die Wissenschaft schon länger. Und die Bibel? Sie ist die Weisheit der Vorfahren, denn genau da sagt unser Predigttext auch: Halt! Achtet also genau darauf, wie ihr lebt, seid Weise! Nutzt doch eure kostbare Lebenszeit, auch wenn die Zeiten nicht einfach und manchmal undurchsichtig sind.

Wir sollten einen Blick bekommen für unser Leben und für das, was uns bestimmt. Wir sollten aber auch einen Blick bekommen für die anderen. Einen Blick für das, was sie beschäftigt – auch einen Blick für die Zusammenhänge, die in unserer Welt immer undurchsichtiger werden.
Doch was gibt uns in diesen bösen Tagen die Richtung vor? Was hält uns davon ab uns immer wieder fremdbestimmt sein zu lassen?
Fragen über Fragen – und das ist doch vermutlich genau die Lösung: Sich auf die Suche begeben, nicht unbedingt um endlich an einem Ziel angekommen zu sein, sondern um den Weg zu gestalten. Wie beim Schein einer Taschenlampe im Dunkeln: Vieles gerät in den Blick, doch nicht alles ist gleichzeitig sichtbar.
Leitlinie bei der Suche können die 10 Gebote sein.

Gott hat damit Wegweiser aufgestellt – aber noch nicht das Ziel konkret vorgegeben. Wenn man seine Eltern ehren soll, was heißt das denn dann konkret? Pflege zu Hause oder Pflege im Heim. Oder das Tötungsverbot: denken Sie nur an die Terrorgruppe ISIS. …
Gott will, dass wir fragen und überlegen und suchen. Seine Gebote sind dazu da, sich daran zu reiben. Und natürlich kann es auch passieren, dass man dabei scheitert. Dafür gibt es Vergebung. Gott traut uns viel zu, aber er verzeiht uns auch unser Fehlverhalten, wenn wir denn überhaupt etwas tun. Er ermutigt uns und lässt uns dann nicht im Stich – das wäre ja auch kaum auszuhalten. Was Gott uns immer wieder vor Augen hält ist der Bund, den er in der Taufe mit uns geschlossen hat. So lädt er uns ein, den Taufblick zu nutzen, der wie der Schein einer Taschenlampe Helligkeit in unser Leben bringen kann. In der Taufe hat er uns seinen Heiligen Geist zu gesagt. Mit ihm können wir unser Leben gestalten, wenn wir uns denn auf ihn verlassen. Jetzt kommt es also auf uns an. Die Vorleistung ist durch Gott erbracht. Böse Zeiten, ja die gab es und die gibt es – leider – immer noch und wird es auch in Zukunft immer wieder geben. Doch mit Gottes Hilfe können wir sie ändern. Alleine, aber vor allem gemeinsam.

Hören wir noch einmal den Text aus dem Epheserbrief:
„Ihr seid Kinder des Lichts! Deshalb heißt es: Du, wach auf aus dem Schlaf und steh auf von den Toten! 15 Achtet also genau darauf, wie ihr lebt, nicht als Törichte, sondern als Weise! 16 Nutzt die Zeit aus und lasst euch erfüllen mit Geisteskraft! 19 Ermuntert einander mit Psalmen, Hymnen und geistgewirkten Liedern; singt und spielt in eurem Herzen vor Gott! 20 Dankt allezeit für alles Gott wie einer Mutter oder einem Vater, im Namen Jesu, des Christus, zu dem wir gehören.“